Ein internationales Forscherteam  der Universitäten Zürich (UZH) und Basel rekonstruierte erstmals das Schweizer Virusgenom der Spanischen Grippe. Bild: Manfred Richter/Universität Zürich

Forschende entschlüsseln Schweizer Virusgenom der Spanischen Grippe

(CONNECT) Einem internationalen Forscherteam unter Leitung der Universitäten Basel und Zürich (UZH) ist erstmalig die Rekonstruktion des Schweizer Virusgenoms der weltweit von 1918 bis 1920 wütenden Spanischen Grippe gelungen. Laut einer Mitteilung enthielt dieses Virus bereits zu Beginn der tödlichsten Influenzapandemie drei Schlüsselanpassungen an den menschlichen Wirt. Bisher sei wenig darüber bekannt, wie sich das damalige Influenzavirus durch Mutationen im Verlauf der Pandemie verändert hat, heisst es in der Mitteilung weiter. Das über 100 Jahre alte untersuchte Präparat stammt von einem an der Pandemie verstorbenen 18-jährigen Patienten aus Zürich. Es befand sich als formalinfixiertes Feuchtpräparat in der medizinischen Sammlung des Instituts für Evolutionäre Medizin der UZH.

„Zum ersten Mal haben wir ein Influenzagenom der Pandemie von 1918 bis 1920 aus der Schweiz zur Verfügung,“ wird die Forschungsleiterin und Paläogenetikerin Verena Schünemann in der Mitteilung zitiert. „Dieses ermöglicht uns neue Einblicke in die Dynamiken, wie sich das Virus zu Beginn der Pandemie in Europa angepasst hat“. Dabei haben die Forschenden auch ein neues Verfahren entwickelt und angewandt, um die Gewinnung dieser alten RNA-Fragmente zu verbessern.

Durch einen Vergleich dieser Probe mit bereits untersuchten Grippevirusgenomen aus Deutschland und Nordamerika erkannte das Team, dass das Schweizer Virusgenom bereits drei Schlüsselanpassungen an den Menschen besass. Diese Schlüsselanpassung, so die Mitteilung, blieb dann bis zum Ende der Pandemie in den Viruspopulationen erhalten. Dabei wurde das Virus durch zwei Mutationen resistenter. In der dritten Anpassung wurde ein Protein in der Virusmembran so verändert, das es sich leichter an Rezeptoren der menschlichen Zellen binden konnte. Dies machte das Virus infektiöser.

Die Forschenden sehen in ihren Ergebnissen einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung zukünftiger Pandemien. „Wenn wir die Dynamiken besser verstehen, wie sich Viren während einer Pandemie über einen langen Zeitraum an den Menschen anpassen, können wir daraus Modelle für zukünftige Pandemien entwickeln“, so Verena Schünemann. Dafür ist die Rekonstruktion weiterer Virusgenome geplant. Die Ergebnisse wurden jetzt im Fachjournal „BMC Biology“ publiziert. ce/eb