Forschende der ETH entwickeln mit einer Tarnkappe für die Genschere neue Ansätze für die Krebstherapie. Symbolbild: National Cancer Institute/Unsplash

ETH ermöglicht mit Tarnkappe für Genschere neue Ansätze für Krebstherapien

(CONNECT) Die Forschungsgruppe von Nicola Aceto, Professor für Molekulare Onkologie an der ETH, hat der auch Genschere genannten Crispr/Cas9-Technologie laut einem Bericht der Hochschule eine Tarnkappe aufgesetzt. Die Motivation dafür, sie für das Immunsystem von Mäusen „unsichtbar“ zu machen, bestand darin, dass die Genschere vornehmlich aus Bakterien besteht, was im Mausmodell zu Problemen führt: das Immunsystem der Tiere reagiert auf diese Bakterien. Das aber macht Crispr-Screens unzuverlässig.

Bei solchen Screens werden rasch Hunderte von Tumorzellen hergestellt, in denen jeweils ein anderes Gen ausgeschaltet ist. In Mäuse transplantiert zeigt sich dann, welches der stummgeschalteten Gene die Entstehung und Ausbreitung von Krebs beeinflusst. Würde deren Immunsystem jedoch reagieren, wäre der jeweilige Effekt nicht mehr zuverlässig erkennbar.

Dies hat das ETH-Team in seiner Studie nun erstmals im Detail nachgewiesen. Ausserdem entwickelte es eine alternative Methode für Crispr/Cas9-Screens, die praktisch keine Immunreaktion auslöst. Für diese Tarnkappe kommen die Tumorzellen nur vorübergehend in Kontakt mit der Genschere. Zudem werden nur Tumorzellen isoliert, bei denen ein Gen erfolgreich stummgeschaltet war. Zudem tauschten die Forschenden die sogenannten Reportergene durch ein anderes Gen aus, dessen Produkt sich nur minimal von einem körpereigenen Protein der Mäuse unterscheidet.

Damit hat die Gruppe bereits einen neuen Angriffspunkt für eine Therapie gegen Brustkrebs entdeckt: Die Stummschaltung zweier Gene namens AMH und AMHR2 reduzierte die Zahl an Metastasen in einem Mausmodell für Brustkrebs den Angaben zufolge drastisch. Weitergehende Untersuchungen der Daten von Patientinnen ergaben, dass viel AMH-Protein im Tumor tatsächlich mit mehr Rückfällen und grösserer Sterblichkeit einhergeht. „Mit Crispr im Tarnkappenmodus“, so Professor Aceto, „können wir jetzt Zusammenhänge aufdecken, die bisher verborgen waren“. ce/mm