
UZH forscht an antibiotischer Wirkung von Thanatin
(CONNECT) Antibiotikaresistenzen nehmen weltweit bedenklich zu. Mehr als 1 Million Menschen sterben laut einer Mitteilung der Universität Zürich (UZH) jährlich an Bakterieninfektionen, die mit herkömmlichen Antibiotika nicht zu behandeln sind. Forschende der UZH um den Chemiker Oliver Zerbe arbeiten aktuell an Wirkstoffen, die Resistenzen entgegenwirken können. Als Ausgangssubstanz nehmen sie Thanatin. Laut der Mitteilung handelt es sich dabei um einen antibiotischen Naturstoff, der von Baumwanzen produziert wird, die sich damit gegen Bakterien wehren.
Thanatin in seiner natürlichen Form reicht nicht aus, um Menschen gegen Bakterieninfektionen zu schützen. Die Wirksubstanz muss chemisch verändert werden. Die UZH-Forschenden um Zerbe widmen sich dabei einer neuen Klasse von Antibiotika, den Outer Membrane Protein Targeting Antibiotics – OMPTA. Diese sollen bei den gefährlichen gramnegativen Bakterien die äussere Proteinhülle zerstören, um dann das Bakterium angreifen zu können. Thanatin zeigte sich dabei als wirkungsvoller Ausgangsstoff. In einem ersten Schritt soll der Wirkstoff zwei resistente Bakterienstämme angreifen können. In einem weiteren suchen die Forschenden eine Plattform, mit deren Hilfe sich Thanatin laufend an neue Zielbakterien anpassen lässt.
Derzeit wird das Projekt vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und der UZH Foundation unterstützt. Gesucht wird ein Pharmaunternehmen, das sich für den neuen Wirkstoff interessiert und bereit ist, teure Testphasen zu finanzieren. „Die Anschlussfinanzierung nach der Grundlagenforschung an den Hochschulen ist die grosse Herausforderung bei der Entwicklung neuer Antibiotika“, wird Oliver Zerbe in der Mitteilung zitiert. ce/ww